Spanien 2026 Tag 3 - Seidenbörse, Kathedrale & Markthallen
Das Frühstück hat eine Qualität, die der Hotelklasse angemessen ist. Schönes Ambiente und reichlich Auswahl, auch beim Kaffee. Schatzi ist die Süße und nimmt Pan-Cakes mit Joghurt und roten Beeren, ich nehme ein Spanisches Omelette.
Wir machen uns auf den Weg zur Seidenbörse. Die Lonja de la Seda in Valencia ist ein architektonisches Juwel der Spätgotik und zählt heute zum geschützten UNESCO-Weltkulturerbe. Im 15. und 16. Jahrhundert bildete sie das pulsierende Zentrum des florierenden Seidenhandels in der Region. Besonders beeindruckend ist die prachtvolle Säulenhalle, deren monumentale Pfeiler wie stilisierte Palmen in den Raum ragen. Das Bauwerk zeugt eindrucksvoll von der einstigen wirtschaftlichen Blütezeit Valencias als bedeutender Handelsplatz im Mittelmeerraum. Als Zeugnis spätgotischer Meisterschaft bleibt die Seidenbörse ein zeitloses Monument, das die Eleganz vergangener Handelszeiten bewahrt.
Wir sind überpünktlich am Eingang. Mir bleibt noch etwas Zeit, die Herz-Jesu-Basilika zu fotografieren.
Beim Einlass gibt es dann Probleme mit unseren QR-Codes. Scheinbar können unsere online erworbenen Tickets nicht gescannt werden. Es wird am Nachbartresen nachgefragt, von dort kommt dann die Info, einfach passieren lassen. Uns egal, wir sind drin.
Ich gehe sofort zur Säulenhalle, um sie möglichst menschenfrei zu fotografieren. Klappt auch ganz gut, die Person die vor mir die Halle betreten hat, kann die KI dann entfernen. Die Halle ist sehr beeindruckend mit ihren 16 Metern Deckenhöhe und den acht gewundenen Säulen.
Das nächste Ziel ist der Turm. Der untere Bereich des Turmes wurde als Kapelle genutzt. Die Kapelle ergänzte die Säulenhalle und bot einen spirituellen Rückzugsort. Sie zeugt von der Verbindung zwischen Handel und Religion.
Der nächste Raum ist das Consulado del Mar. Hier wurden einst die komplexen Rechtsstreitigkeiten zwischen Seeleuten und Händlern entschieden, die den florierenden Handel im Mittelmeerraum regelten. Hier ist bereits mehr Publikumsverkehr, aber Warten beim Fotografieren zahlt sich aus.
Als wir wieder im Orangenhof stehen, überkommt Schatzi ein Geistesblitz. Sie geht zurück zum Eingang und fragt, ob der Turm zu besichtigen ist. Die Antwort ist erst einmal nein, aber in sieben Minuten startet eine Tour, an deren Ende der Turm bestiegen werden kann. Allerdings müssen wir die komplette Tour mitmachen, ein Dazustoßen am Ende geht nicht. Die Führung wird generell nur auf Spanisch angeboten. Es ist uns jetzt schon öfters aufgefallen, dass viele Angebote nur auf Spanisch durchgeführt werden. Wir lassen die 30 Minuten über uns ergehen, dabei lernen wir einen Serben kennen, der in den USA Architektur studiert, Spanisch spricht, mit seiner Mutter unterwegs ist und für sie übersetzt. Ab und zu übersetzt er auch für uns auf englisch. Sehr zuvorkommend. Er sagt uns auch, dass nur acht Führungen in der Woche mit Turmbesichtigung stattfinden. Haben wir mal wieder Glück gehabt und Schatzi den richtigen Geistesblitz.
Wir erreichen schließlich den Eingang zum Turm. Er war mehr als ein architektonisches Element. Er diente praktischen und symbolischen Zwecken. Im Turm wurden säumige Händler vorübergehend eingesperrt. Dies demonstrierte die Strenge des Handelsrechts. Seine Höhe bot zudem einen hervorragenden Überblick über die Stadt. Diese Aussicht unterstrich die Macht der Institution. Der Turm ist durch eine beeindruckende Wendeltreppe aus Stein zugänglich, die spiralförmig nach oben führt. Diese Treppe, die aus 142 Stufen besteht, windet sich um den Kern des Turms und wird architektonisch oft mit der Form einer Nautilus-Schale verglichen, da sie eine elegante, sich nach oben verjüngende Spirale bildet. Die Säulen im angrenzenden Handelssaal (Saal der Händler) verzweigen sich an der Decke ähnlich wie die Struktur einer Muschel oder eines Nautilus. Wir erklimmen sie alle und stehen auf dem Dach des Turmes. Von hier oben gibt es wirklich einen wunderschönen Blick auf die Stadt.
Wieder unten angekommen, möchte Schatzi dem Guide und dem ganzen Team ein Trinkgeld geben. Diese lehnen entschieden ab. Trinkgeld ist in Spanien sehr unüblich. Wieder im Orangenhof, bedanken wir uns bei unserem serbischen Guide und verabschieden uns. Der nächste Punkt auf unserer Liste ist die Markthalle Mercado Central.
Der Mercado Central ist weit mehr als ein bloßer Marktplatz. Er bildet das pulsierende Herz der kulinarischen Identität Valencias. Als prachtvolles Meisterwerk des Modernismo besticht das Bauwerk durch seine filigrane Eisenkonstruktion und die majestätische Glaskuppel, die den Raum in ein sanftes, natürliches Licht taucht. Die zwischen 1914 und 1928 errichtete Halle gilt heute als einer der bedeutendsten und größten Märkte Europas. Als lebendiges Denkmal der Stadtgeschichte bleibt der Mercado Central ein unverzichtbarer Spiegel der valencianischen Lebensart.
Der nächste Stopp ist die Kathedrale von Valencia. Hier konnten wir keine Tickets vorab erwerben. Tickets gibt es nur an der Kasse. Die Schlange ist aber auch nicht sehr lang. Wir zahlen unseren Eintritt und bekommen einen deutschen Audioguide. Der Audioguide gibt eine Einführung in die Geschichte der Kathedrale: Der römischer Tempel wurde zu einer Kirche und durch die muslimischen Eroberer zur Moschee umgewandelt. Nach der Rückeroberung 1237 wurde daraus wieder eine Kirche. Die Erweiterung der Kirche began 1262 und wurde im 15. Jahrhundert abgeschlossen. Sie wurde erneut umgebaut. Seit 1972 wird die Kathedrale restauriert und stilistisch bereinigt.
Wir besuchen zuerst das Museum. Hier sind wertvolle Stücke ausgestellt, zum Beispiel zwei große Gemälde von Goya aus dem Jahr 1799. Am Ende des Museums schließt sich die Kapelle des Heiligen Kelches an. Hier wird der Kelch aufbewahrt, den Jesus Christus der örtlichen Überlieferung zufolge beim letzten Abendmahl benutzte. Der obere Teil wurde wahrscheinlich in der Zeitperiode vom 3. Jahrhundert vor Christus bis zum 1. Jahrhundert vor Christus angefertigt. Schatzi sagte nach dem Besuch, dass der Raum eine gewisse Kraft ausstrahlt. Sie scheint dafür auch sehr empfänglich zu sein, eine ähnliche Kraft hatte sie auch an der Rainbowbridge gespürt. Der obere Teil, aus poliertem Achat gefertigt, ist die echte Reliquie. Der Fuß wurde um das 12. Jahrhundert hinzugefügt.
Zum Schluss schauen wir uns noch den Altar an. Auch sehr beindruckend.
Wir laufen noch einmal zurück zur Markthalle, holen Brot, Schinken und Blätterteigröllchen mit Pistazienfüllung. Abendessen wollen wir dann im Mercado de Colón. Er ist weniger ein traditioneller Markt als vielmehr ein Ort für Gastronomie. Aber erst einmal zurück zum Hotel und Brot mit Schinken essen. Die 31°C machen uns dann nach fünf Stunden doch etwas zu schaffen.
Wir essen unser Brot mit Schinken und die Röllchen. Alles wieder sehr lecker. Wir legen uns auf das Bett und machen eine kurze Mittagsruhe. Anschließend duschen wir schnell und laufen die 800 Meter zum Mercado de Colón. Schatzi schaut sich die Kunstgewerbestände an. Wir landen schließlich in der Horchatería Daniel. Horchata wird aus der Chufa (Erdmandel), mit Herkunftsbezeichnung València, hergestellt. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass die Horchatería Daniel ein Traditionsgeschäft seit 1960 ist und als eine der besten Horchaterías in Valencia gilt. Wieder alles richtig gemacht. Schatzi hat ein Flotaor mit Tiramisu-Eis getrunken, ich ein Sospir mit Kaffee.
Abends gehen wir wieder auf die Kamikaze Terrace Sky Bar, schlürfen Cocktails und schreiben unseren Blog. Morgen geht es dann zur Stadt der Künste und Wissenschaften in Valencia.