So, heute bin ich mal dran mit Schreiben. Der Wecker klingelt mal wieder um 5:00 Uhr, denn wir wollen nach einem schnellen Frühstück direkt zum Zion NP fahren, damit wir den ersten Bus um 6:00 Uhr zur Station The Grotto, dem Beginn des Angel Landing Trail, nehmen können. Ein bisschen Angst habe ich, denn die Wanderung ist als schwierig und anspruchsvoll beschrieben und ich habe auch ein paar Videos auf YouTube gesehen…

Mit uns warten ca. 25 weitere Wanderer auf den Bus, sie steigen auch wie erwartet, gemeinsam mit uns aus. Der Wegweiser spricht von sehr erträglichen 2,5 Meilen. Na dann los. Der Weg beginnt sanft ansteigend und ist erst einmal eine Wanderautobahn, breit und stellenweise sogar betoniert. Noch ist es schön kühl und die Sonne geht gerade auf. Durch das unterschiedliche Tempo der einzelnen Hiker ist es sogar fast einsam. Bald wird die Strecke deutlich steiler und geht in langen Serpentinen nach oben, bis zum sogenannten Refreshing Canyon. Hier stehen die Berge dicht beisammen, es ist kühl, feucht und eben, teilweise geht es sogar wieder bergab. Schade um die Höhenmeter. Danach folgen 21 Wiggels, d.h. kurze steile Serpentinen, die schon mal sehr anstrengend sind. Sie enden am Fuß der eigentlich schweren Strecke. Hier gibt es noch einmal Toilettenhäuschen und eine große Ebene zum Ausruhen. Viele Wanderer gehen nur bis hierhin, denn auch von hier ist der Ausblick schon grandios. Ich kämpfe auch kurz mit mir, nachdem ich einen Blick auf den Berg geworfen habe, an dem Teile der Strecke mit Ketten gesichert sind.

Zion National Park | Jeannette beim Aufstieg Richtung Angels Landing

Zum Glück sieht man von hier aus nur das erste Drittel…

Also hoch, mein innerer Schweinehund wird eingesperrt. Mein Hasenherz lässt sich allerdings nicht so leicht beruhigen, zumal mir immer noch Devils Garden in den Nerven steckt. Ich hoffe, dass es nicht genauso schlimm wird. Zunächst ist es nur ziemlich steil und technisch recht anspruchsvoll, allerdings nicht beängstigend, da der „Weg“ relativ breit und gut gesichert ist.

Zion National Park | Jeannette beim Aufstieg Richtung Angels Landing

Ich muss nur ein bisschen klettern. Nach dem ersten Drittel kommt dann der Ausblick auf den Rest. Es wird noch steiler und sieht sehr hoch aus. Jetzt wird mir doch sehr mulmig und ich muss mich erst mal sammeln.

Zion National Park | Blick Richtung Angels Landing

Vor allem bedenke ich, dass ich da auch wieder runter muss. Aber jetzt aufhören? Neeeeee! Weiter, bis nach oben. Dort erwartet uns ein absolut grandioser Ausblick, noch etwa zehn von den Mitbusfahrern, viele neugierige Chipmunks und ich bin ziemlich stolz, es aus eigener Kraft bis hier hoch geschafft zu haben. Ob es der schönste Ausblick der Welt ist, wie er oft genannt wird, weiß ich nicht, wir hatten bis jetzt eine ganze Menge beeindruckender Weitsichten, das ist im Augenblick allerdings auch nicht wichtig. Wir machen eine Menge Fotos, essen Kekse und freuen uns.

Zion National Park | Blick in den Sonnenaufgang von Angels Landing
Zion National Park | Jeannette & Dirk stehen auf Angels Landing

Irgendwann müssen wir dann allerdings auch wieder runter und meine Befürchtungen beim Aufstieg waren nicht unberechtigt, der Rückweg ist schwerer als der Hinweg. Außerdem sind inzwischen auch die späteren Wanderer beim Aufstieg, es gibt also Gegenverkehr und dafür ist die Strecke teilweise zu eng. Es heißt also immer wieder warten. Manche Menschen scheinen auch ihren Verstand im Visitor Center gelassen zu haben, denn anstatt stehen zu bleiben, wo es möglich ist, begeben sie sich einfach rücksichtslos auf die Strecke. Bei einer solchen „ich muss um andere herumklettern“-Aktion stoße ich mir mein ohnehin schon schmerzendes Knie am Felsen. Grrrr.

Zion National Park | Blick auf den schmalen Grat, der zu Angels Landing führt

Irgendwann sind wir aber glücklich unten, jetzt nur noch die Forstautobahn runter. Mittlerweile ist es 9:30 Uhr und uns kommt eine Völkerwanderung entgegen. Wollen die alle auf den Gipfel? Ich bin sehr froh, dass Dirk mich so früh aus dem Bett geschmissen hat, denn so konnten wir die Wanderung noch fast alleine genießen und langsam wird es auch sehr warm.

Unten an der Bushaltestelle beschließen wir, noch den Scenic Drive mit dem Shuttle-Bus bis zum Ende zu fahren, bevor es zum Visitor-Center zurückgeht. Am Tempel of Sinawava steigen wir aus. Da wir inzwischen einigermaßen erholt sind, laufen wir noch den Riverside Walk bis zum Beginn der Berg-Enge The Narrows. Hier geht es nur noch mit Wasserwanderausrüstung weiter, das ist uns dann doch zu aufwendig, zumal wir unser Tagwerk schon getan haben. Auf dem Rückweg begegnen uns noch einige sehr zutrauliche Eichhörnchen.

Zion National Park | Squirrel

Wieder am Visitor-Center angekommen, kaufe ich erst mal meinen Belohnungsraben. Diese Vögel begleiten uns seit Los Angeles und sind für mich inzwischen ein bisschen symbolisch für die Reise. Wir steigen dann ins Auto und fahren noch einmal das kurze Stück zum Great Arch, der aber immer noch im Schatten liegt. Also erst mal ins Hotel, noch ein bisschen was gegessen und ein Mittagsschlaf gemacht, der hat sich gestern auch bewährt. Danach gibt’s einen Kaffee und dann ab in den Pool. Es könnte uns schlechter gehen. Nach dem Duschen statten wir dem Great Arch einen dritten Besuch ab, und kurz bevor die Sonne hinter dicken Wolken verschwindet, kann Dirk ihn auch in seiner ganzen Schönheit erwischen.

Würde ich die Wanderung noch einmal machen? Ja, ich denke schon, denn der Ausblick entschädigt für vieles und ich war selten so stolz auf mich. Anstrengend war es trotzdem.

Morgen heißt es dann: Viva Las Vega

Wir, das sind Jeannette & Dirk, leben und arbeiten in Berlin. Wir reisen gerne und halten dies auch im Foto fest. In diesem Blog möchten wir euch an unseren Reisen teilhaben lassen. Wir sind keine Backpacker, sondern lieben es in schönen Hotels und Pensionen zu wohnen.

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So, heute bin ich mal dran mit Schreiben. Der Wecker klingelt mal wieder um 5:00 Uhr, denn wir wollen nach einem schnellen Frühstück direkt zum Zion NP fahren, damit wir den ersten Bus um 6:00 Uhr zur Station The Grotto, dem Beginn des Angel Landing Trail, nehmen können. Ein bisschen Angst habe ich, denn die Wanderung ist als schwierig und anspruchsvoll beschrieben und ich habe auch ein paar Videos auf YouTube gesehen…

Mit uns warten ca. 25 weitere Wanderer auf den Bus, sie steigen auch wie erwartet, gemeinsam mit uns aus. Der Wegweiser spricht von sehr erträglichen 2,5 Meilen. Na dann los. Der Weg beginnt sanft ansteigend und ist erst einmal eine Wanderautobahn, breit und stellenweise sogar betoniert. Noch ist es schön kühl und die Sonne geht gerade auf. Durch das unterschiedliche Tempo der einzelnen Hiker ist es sogar fast einsam. Bald wird die Strecke deutlich steiler und geht in langen Serpentinen nach oben, bis zum sogenannten Refreshing Canyon. Hier stehen die Berge dicht beisammen, es ist kühl, feucht und eben, teilweise geht es sogar wieder bergab. Schade um die Höhenmeter. Danach folgen 21 Wiggels, d.h. kurze steile Serpentinen, die schon mal sehr anstrengend sind. Sie enden am Fuß der eigentlich schweren Strecke. Hier gibt es noch einmal Toilettenhäuschen und eine große Ebene zum Ausruhen. Viele Wanderer gehen nur bis hierhin, denn auch von hier ist der Ausblick schon grandios. Ich kämpfe auch kurz mit mir, nachdem ich einen Blick auf den Berg geworfen habe, an dem Teile der Strecke mit Ketten gesichert sind.

Zion National Park | Jeannette beim Aufstieg Richtung Angels Landing

Zum Glück sieht man von hier aus nur das erste Drittel…

Also hoch, mein innerer Schweinehund wird eingesperrt. Mein Hasenherz lässt sich allerdings nicht so leicht beruhigen, zumal mir immer noch Devils Garden in den Nerven steckt. Ich hoffe, dass es nicht genauso schlimm wird. Zunächst ist es nur ziemlich steil und technisch recht anspruchsvoll, allerdings nicht beängstigend, da der „Weg“ relativ breit und gut gesichert ist.

Zion National Park | Jeannette beim Aufstieg Richtung Angels Landing

Ich muss nur ein bisschen klettern. Nach dem ersten Drittel kommt dann der Ausblick auf den Rest. Es wird noch steiler und sieht sehr hoch aus. Jetzt wird mir doch sehr mulmig und ich muss mich erst mal sammeln.

Zion National Park | Blick Richtung Angels Landing

Vor allem bedenke ich, dass ich da auch wieder runter muss. Aber jetzt aufhören? Neeeeee! Weiter, bis nach oben. Dort erwartet uns ein absolut grandioser Ausblick, noch etwa zehn von den Mitbusfahrern, viele neugierige Chipmunks und ich bin ziemlich stolz, es aus eigener Kraft bis hier hoch geschafft zu haben. Ob es der schönste Ausblick der Welt ist, wie er oft genannt wird, weiß ich nicht, wir hatten bis jetzt eine ganze Menge beeindruckender Weitsichten, das ist im Augenblick allerdings auch nicht wichtig. Wir machen eine Menge Fotos, essen Kekse und freuen uns.

Zion National Park | Blick in den Sonnenaufgang von Angels Landing
Zion National Park | Jeannette & Dirk stehen auf Angels Landing

Irgendwann müssen wir dann allerdings auch wieder runter und meine Befürchtungen beim Aufstieg waren nicht unberechtigt, der Rückweg ist schwerer als der Hinweg. Außerdem sind inzwischen auch die späteren Wanderer beim Aufstieg, es gibt also Gegenverkehr und dafür ist die Strecke teilweise zu eng. Es heißt also immer wieder warten. Manche Menschen scheinen auch ihren Verstand im Visitor Center gelassen zu haben, denn anstatt stehen zu bleiben, wo es möglich ist, begeben sie sich einfach rücksichtslos auf die Strecke. Bei einer solchen „ich muss um andere herumklettern“-Aktion stoße ich mir mein ohnehin schon schmerzendes Knie am Felsen. Grrrr.

Zion National Park | Blick auf den schmalen Grat, der zu Angels Landing führt

Irgendwann sind wir aber glücklich unten, jetzt nur noch die Forstautobahn runter. Mittlerweile ist es 9:30 Uhr und uns kommt eine Völkerwanderung entgegen. Wollen die alle auf den Gipfel? Ich bin sehr froh, dass Dirk mich so früh aus dem Bett geschmissen hat, denn so konnten wir die Wanderung noch fast alleine genießen und langsam wird es auch sehr warm.

Unten an der Bushaltestelle beschließen wir, noch den Scenic Drive mit dem Shuttle-Bus bis zum Ende zu fahren, bevor es zum Visitor-Center zurückgeht. Am Tempel of Sinawava steigen wir aus. Da wir inzwischen einigermaßen erholt sind, laufen wir noch den Riverside Walk bis zum Beginn der Berg-Enge The Narrows. Hier geht es nur noch mit Wasserwanderausrüstung weiter, das ist uns dann doch zu aufwendig, zumal wir unser Tagwerk schon getan haben. Auf dem Rückweg begegnen uns noch einige sehr zutrauliche Eichhörnchen.

Zion National Park | Squirrel

Wieder am Visitor-Center angekommen, kaufe ich erst mal meinen Belohnungsraben. Diese Vögel begleiten uns seit Los Angeles und sind für mich inzwischen ein bisschen symbolisch für die Reise. Wir steigen dann ins Auto und fahren noch einmal das kurze Stück zum Great Arch, der aber immer noch im Schatten liegt. Also erst mal ins Hotel, noch ein bisschen was gegessen und ein Mittagsschlaf gemacht, der hat sich gestern auch bewährt. Danach gibt’s einen Kaffee und dann ab in den Pool. Es könnte uns schlechter gehen. Nach dem Duschen statten wir dem Great Arch einen dritten Besuch ab, und kurz bevor die Sonne hinter dicken Wolken verschwindet, kann Dirk ihn auch in seiner ganzen Schönheit erwischen.

Würde ich die Wanderung noch einmal machen? Ja, ich denke schon, denn der Ausblick entschädigt für vieles und ich war selten so stolz auf mich. Anstrengend war es trotzdem.

Morgen heißt es dann: Viva Las Vega